Frau Ernas loser Lebensmittelpunkt

Hallo ihr Lieben,

Ich hoffe ihr hattet eine schöne Woche und konntet euch ein bisschen abkühlen bei diesen hochsommerlichen Temperaturen.
Nach meinem kleinen Ausflug in das mittsommerliche Schweden letzte Woche, habe ich heute wieder einen ganz besonderen Post für euch. 
Ich war bei Frau Erna einkaufen. Also genauer gesagt bei Frau Ernas losem Lebensmittelpunkt in Magdeburg und habe ein sehr cooles Interview mit Sarah Werner dem Kopf des Ladens geführt. Was ich alles aus ihr heraus quetschen konnte, könnt ihr hier nachlesen:

Ich: Hallo Sarah, es ist wirklich cool hier sein zu können in deinem wunderschönen Laden. Also erzähl mal: Wer bist du und wie bist du auf die Idee gekommen hier deinen Laden zu eröffnen?

Sarah: Ich bin Sarah und eigentlich Sozialpädagogin und habe auch einige Zeit in diesem Beruf gearbeitet, zuerst in einer Nachbarschaftshilfe und danach in einem Waldorfkindergarten. 
Ich habe aber immer mehr für mich festgestellt, das ist noch nicht das Richtige. Ich habe für mich noch nach dem perfekten Job gesuch., Parallel habe ich schon seit der Schulzeit sehr viel über Selbstständigkeit nachgedacht und hatte noch nie die Idee was es werden könnte.
 Über das Studium bin ich dann auch immer weiter in Kontakt gekommen mit Umweltschutz und Nachhaltigkeit. Auch habe ich andere Ernährungsformen ausprobiert von Vegetarismus weiter zu Veganismus und das war dann so ein ganzer Rattenschwanz. 
Vor 4 Jahren habe ich einen Artikel gelesen, dass in Berlin ein Unverpacktladen eröffnet wird und ich fande das richtig cool und habe mich dann immer weiter mit diesem Thema beschäftigt. 
Danach kam alles zusammen, dass ich gern mit Menschen arbeiten möchte und mich selbstständig machen und mich immer mehr mit Lebensmitteln beschäftige und so habe ich vor 3 Jahren meinen Unverpacktladen eröffnet.

Ich:Und wie ich sehe, hat das alles ganz super hingehauen. Der Laden ist wirklich wunderschön geworden und es ist verrückt wie viele verschiedene Produkte du anbietest.

Sarah: Ja ich glaube da kommt dann mein Sozialpädagoge wieder durch. Mein Geschäftspartner und ich, wollten, dass der Laden mit den Menschen mitwächst und 2017 sah es hier noch wesentlich leerer aus. Die Leute kamen dann und haben uns gefragt, ob wir denn das oder das haben. Oder sie haben gefragt, ob wir schon das oder das kennen. Und somit ist er dann immer weiter gewachsen.
Und von den Menschen lebt dieser Laden auch.

Ich:  Jetzt  heißt der Laden nicht Sarahs Unverpacktladen, wie bist du auf den Namen "Frau Ernas loser Lebensmittelpunkt" gekommen?

Sarah: Oh das ist eine lange Geschichte. Viele Unverpacktläden heißen einfach natürlich Unverpackt oder Unverpackt und Bio und das Wort war mir zu kantig und zu generell. Da fand ich das Wortspiel mit LebensmittelPunkt und LebensMittelpunkt ganz schön und so war der zweite Teil des Namens gefunden. 
Das war aber nicht stimmig als eigentlicher Name. Aber es passte einfach so gut, du kannst hier deine Lebensmittel kaufen und aber auch wenn du möchtest dich mit ein paar Freunden auf einen Kaffee treffen.
Und Frau Ernas ist tatsächlich aus meiner Zeit im Kindergarten. Dort war es so, dass die Erzieherinnen mit Nachnamen angesprochen werden. Also Frau Werner kannst du mal. Und jetzt kommt der Clou, einem Kind war es nicht schlüssig warum man als Frau, Frau Werner heißt und das hat dann seiner Mutter ganz deutlich gesagt, dass es nicht Frau Werner, sondern Frau Erna heißt.
Und das hat dann seine Kreise gezogen. 
 Es soll auch ein kleiner Tante Emma Laden sein. Also man kommt nicht her um nur seine Lebensmittel zu kaufen, sondern um auch den Kontakt zu anderen Menschen zu bekommen und noch einen kleinen Schnack zu halten. Da fand ich Frau Erna dann doch cooler.

Ich: Wieso hängt da eine Schaukel mitten in deinem Laden?

Sarah: Tatsächlich habe ich in einem anderen Laden eine Schaukel gesehen und fand das sehr cool. Das hat mich sehr beeindruckt und dann haben mehrere Stimmen gesprochen. Zum einen kenne ich das auch aus dem Kindergarten. Dann finde ich es sehr cool, dass die Schaukel auch der Inbegriff des inneren Kindes ist. Das versuche ich in den Leuten zu provozieren. 
Und es natürlich ein richtig gutes Alleinstellungsmerkmal.

Ich: Man sieht aber auch, dass es sehr familienfreundlich eingerichtet ist mit dem kleinen Kaufmannsladen in der Ecke und der Schaukel. Kommen denn viele Familien zu euch in den Laden?

Sarah: Es ist Hauptkliente. Wir haben einen sehr hohen Familienanteil.  Mein Mitbegründer Frithjof sagte, es muss eine Kinderecke geben, denn nichts ist schlimmer, als mit quengelnden Kindern einkaufen zu gehen.
Es sind auch oft die Kinder die in den Laden wollen und dann kommen die Eltern und sagen:" Naja eigentlich wollte ich nach Hause, aber mein Kind wollte hier her, also trinke ich eben noch einen Kaffee."

Ich: Wo bekommst du deine Produkte her? Es ist klar, dass du nicht alle deine Produkte aus Deutschland bekommst, denn Bananen und Reis wachsen hier einfach nicht so gut.

Sarah: Wir haben absichtlich gesagt, wir möchten keinen Bio Regional Laden bei dem die Produkte nicht weiter als 100km entfernt sein dürfen, weil das eine zu kleine Produktbreite wäre. 
Unser Hauptschwerpunkt war zu sagen, wir haben alles, was man für einen Wocheneinkauf braucht. Wir haben auch neben dem Unverpackt, Selbstgemacht auch das Unperfekt als Schlagwort und wir müssen das nicht perfekt und konsequent durchziehen. 
Da muss man persönlich gucken und seine Grenzen abstecken. 
Ich sag immer: Wir haben 3 Säulen,  die für uns eine besondere Bedeutung haben. 
Zum einen das Unverpackt, das ist die größte, einfach das wir probieren so viel Verpackungsmüll wie möglich einzusparen. Das funktioniert auch nicht perfekt, denn wir bekommen die Sachen auch nicht mit dem großen Kipplader vor die Tür geschüttet. Sondern auch in großen Papiersäcken oder Mehrwegverpackung.
Die  2. Säule ist die Bioqualität. Wir sagen auch die Qualität und die Lebensmittel an sich müssen passen. Und das die Leute, die das herstellen auch ordentlich dafür bezahlt werden und wir den Boden nicht ausrotten. 
90% unserer Produkte sind Bio, das steht nicht dran, weil wir kein Zertifikat haben. Aberdie Dinge, die nicht Bio sind haben einen roten Punkt dran.
Der 3. Schwerpunkt ist die Regionalität und das sind zum Beispiel die Milchprodukte vom Hof Pfaffendorf.
Wenn wir das alles in einem Produkt zusammenkriegen, wäre es super mega genial. Klappt aber nicht immer.

Ich: Was bedeutet der gelbe Punkt?

Sarah: Der gelbe Punkt bedeutet vegan. Tierische Produkte hinterlassen einen unglaublich großen CO2 Fußabdruck und so wollten wir es den Veganern erleichtern, und haben die Inhaltsstoffe schon alle durchgelesen.
Und tatsächlich die Dinge, die ich nicht haben wollte sind tatsächlich die, die am meisten nachgefragt wurden, unsere Gemüseecke ist jetzt schon 5x gewachsen. Die Leuten haben schneller gekauft, als wir nachbestellen konnten.

Was auch sehr beliebt geworden ist, ist unsere Lebensmittelretterinensuppe. Selbst das was wir nicht schaffen mehr zu verkaufen wollen wir verwerten. Wenn die Paprika schon eine Stelle hat oder der Kohl schrumpelig ist, kann man das raus schneiden. Und wir sagen, wir schmeißen das nicht auf den Müll sondern machen eine Suppe daraus.

Ich: Das wäre auch meine nächste Frage gewesen, denn gerade die Milchprodukte, Obst, Gemüse. Eier sind ja nicht ewig haltbar. Was macht ihr dann zum Beispiel noch daraus?

Sarah: Milchprodukte und Eier kommen tatsächlich nicht in die Suppe, weil wir da den Anspruch haben, dass sie vegan ist.
Bei den Milchprodukten schauen wir, dass wir sie gut verkauft bekommen, reduzieren im Zweifelsfall oder sagen: Hey Leute das ist zu verschenken. Wir versuchen aber grundsätzlich nicht zu viel zu bestellen. Wir kalkulieren auch wirklich sehr knapp und die Kunden finden das auch sehr gut.

Ich: Jetzt versuchen auch schon viele Supermärkte und Drogerien in diese Nachhaltigkeitsschiene zu wechseln. Fühlst du dich da in deiner Existenz bedroht:

Sarah: Nein, aber klar man muss natürlich gucken, wie weit sich das ausweitet, auch in der Nachbarschaft. Wir haben auch ein anderes Preissegment als Aldi oder Lidl aber das liegt daran, dass wir nicht nur unverpackt, sondern eben auch bio verkaufen. Aber nicht alle, die unverpackt kaufen, wollen Bio kaufen.
Aber das wird wahrscheinlich die Leute ansprechen, die sowieso nicht in unseren Laden gekommen wären, weil es ihnen zu teuer ist. 
Ich freue mich einfach über jedes Unverpackt Angebot. Natürlich muss ich darauf achten wirtschaftlich zu handeln. Aber das Hauptziel ist die Welt zu retten.
Unabhängig davon das es unverpackt ist, haben wir einfach etwas das kein DM und kein Supermarkt hat, wir haben einfach dieses andere Gefühl, die Gemeinschaft die kein Supermarkt bietet.

Ich: Ich komme jetzt auch schon zu meiner letzten Frage: Was sind deine Wünsche und Träume für die Zukunft?

Sarah: Ich möchte als Unverpacktladen gerne mehr in der Lieferkette hinkriegen, einfach das wir mit den Lieferanten verhandeln können und bessere Mehrwegsysteme einführen können. Passierte Tomaten oder Kokosöl in Pfandgläsern. Da wünsche ich mir, dass das noch zunimmt.
Ich wünsche mir, dass die Leute aufwachen und merken, es geht um keinen Marketing Gag oder Green Washing was viele denken, sondern, dass wirklich was getan werden muss. Es gibt einfach noch so viele Menschen die denken: Ich kann eh nichts machen. 
Und ich wünsche mir das diese Menschen aufwachen aus ihrem ich kann eh nichts machen. Jeder Mensch kann was erreichen und wenn es nur was ganz kleines ist.
Das man mit Spaß dabei ist und die Freude daran nicht verliert und andere damit ansteckt.
Ich hoffe auch auf die Politik natürlich, aber ich bin mir sicher, die Veränderung kann nicht nur von der Politik und Wirtschaftsunternehmen geschehen , die Veränderung muss auch in den Köpfen sein.


Vielen Dank an Frau Erna von Frau Ernas losem Lebensmittelpunkt. Ich habe das Gespräch sehr genossen und hoffe ihr habt auch einen kleinen Einblick in den Alltag des Unverpacktladens bekommen können und falls ihr mal in Magdeburg zu Besuch seid, schaut doch einfach mal auf ein Süppchen bei Frau Erna vorbei.

Nächste Woche gibt es wieder viele Tipps um Plastik zu vermeiden und neue Rezepte. Also seid gespannt und bis bald!

Eure Theresa



 




















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